4000 Islands & Pakse Loop

Die laotische Uhr tickt langsamer


Bericht No. 06

Quick Facts

  • Land: Laos
  • Reisezeitraum: 08.01.2020 – 13.01.2020
  • Route:

I. 4000 Islands – Don Khon
II. Pakse Loop (Bolaven Plateau)


I. Die viertausend Mekonginseln

Erstmal einen Gang runterschalten


Ich schaue gebannt in den Sand, der sich um meine Füße herum sammelt. Jede Welle spült neue Sandkörner an meine Füße und gräbt sie weiter ein. Die Sonne steht hoch am Himmel und leuchtet durch das klare Wasser.

Doch ich habe nur Augen für den Sand. Goldgelb – fast glänzend. Ich blinzle. Hebe ein wenig Sand aus dem Wasser und lasse ihn durch meine Finger gleiten. Begutachte ihn ungläubig. Er glänzt Goldgelb – Gold!

Winzige Goldpartikel haben sich zwischen die Sandkörner gemischt. Ich bin fasziniert. Goldgräberstimmung 🙂 Im Wasser forme ich meine Hände zu einer Schale, um die glänzenden Partikel von den Sandkörnern zu trennen. Doch leider vergeblich.

Angespült werden sie vom Mekong, der über tausende Kilometer aus dem tibetischen Hochland durch China, Myanmar, Thailand bis zu dem kleinen Strand auf Don Khon, einer der 4000 Inseln in Laos, fließt. 

Goldgräberstimmung im Mekong –  Als hätten wir in Gold gebadet.

Für uns ist es nicht ganz so leicht Ländergrenzen zu überwinden.

Nach unserer letzten, recht holprigen Grenzüberquerung recherchieren wir etwas genauer. Von „stamp money“ ist die Rede und von westlichen Touristen, die es nicht bezahlen wollen und angeschrien werden, fast zurückbleiben. Auf jeden Fall stellen wir uns auf einige Buswechsel ein, da die Grenze meist zu Fuß überquert wird.

Wir finden einen Van-Anbieter, der die Prozedur genau erläutert. Stamp money – auf kambodschanischer Seite inoffiziell, auf laotischer offiziell – gehört dazu.

Beim Betreten des kambodschanischen Grenzübergangs dann ein seltsames Bild: gebückt stehende Touristen vor getönten Scheiben. Der Schlitz zur Pass- und Geldübergabe ist so tief, dass wohl nur Kleinkinder diesen entspannt nutzen können. Wichtiger ist, dass die Grenzbeamten auf der anderen Seite bequem sitzen können. Umgekehrtes Design Thinking sozusagen. Und man sieht nicht wer genau dahinter sitzt. Auch sehr positiv für die kambodschanische Seite. Wir statten unseren Reisepass mit ein paar Dollar aus und der Grenzbeamte ist motiviert genug, einen Ausreisestempel zu vergeben.

Jetzt gilt es mit Sack und Pack einen Kilometer durchs Niemandsland zur laotischen Grenze zu laufen. Die offizielle Gebühr halten wir schon bereit, doch weit gefehlt. Zu unserer großen Freude verdienen sich die laotischen Grenzbeamten pro Tourist nochmal 2$ dazu, indem sie ein Foto mit einer Webcam machen. Solch anstrengende Zusatzaufgaben wollen fair entlohnt werden. Wäre doch auch gelacht, wenn nur die Kambodschaner ihr Gehalt aufbessern könnten.

Zähneknirschend zahlen wir auch diesen Betrag und reisen nach Laos ein. Zurück bleibt eine gewisse Wut. Nicht dass wir das Geld nicht hätten, doch für den Grenzbeamten kommt so ein nettes Sümmchen zusammen, während der Großteil der Laoten ein deutlich geringeres Einkommen hat.

Nun gehts im Songthaew – einem Kleintransporter mit umgebauter Laderampe – weiter. Wir sitzen dicht gedrängt, Bein an Bein. Die vierköpfige australische Familie soll auch noch rein. Geht schon irgendwie. Und so sitzen die Eltern einfach hinten auf der Kante. Die australische Lässigkeit steckt das entspannt weg und so wird mit einer Hand der Transporter und der anderen das große Bier festgehalten. Cheers mate!

Nur der Mekong trennt uns nun noch vom Ziel unserer Reise. In leichtem Dunst ist bereits eine der 4000 Inseln dahinter zu erkennen. Während wir im Boot als letztem Vehikel des Tages sitzen geht die Sonne langsam unter und taucht den Himmel erneut in alle Farben. Malerisches Ende eines langen Reisetages.

Don Det –  Die Nachbarinsel im Mekong Delta. Ein bisschen mehr „Party-Insel“ als Don Khon.

„Don Khon ist noch so, wie Laos vor 10 Jahren.“ erzählt uns ein gebürtiger Laote, der schon seit Langem in Paris lebt und aktuell in Südlaos Verwandte besucht. Wir haben keinen Vergleich doch kommt uns die Insel ohne befestigte Straßen und Autos tatsächlich sehr entspannt vor.

Wir cruisen mit dem Fahrrad unter Palmen hindurch über hubbelige und sandige Wege. Noch sind keine Goldpartikel dabei – dies entdecken wir erst am kleinen Strand bei den Tat Somphamit Wasserfällen. Dort lernen wir auch den Deutschen Christian kennen, mit dem wir uns auf unterwegs noch einmal treffen und dessen Essenstipps uns auf dem weiteren Weg durch Laos begleiten würden.

Wasserbüffel  – Vor der Terrasse unseres Guesthouses ziehen die Wasserbüffel vorbei. 

Wir fahren noch bis zur Südspitze weiter. Dort fahren wir spontan mit dem Boot raus, um die seltenen Irawaddy Delfine zu sehen. Immer wieder tauchen tatsächlich graue Rückenflossen an der Oberfläche auf, bevor die Tiere wieder in den Mekong verschwinden. Mehr lassen sie auch meist nicht von sich blicken.

Dank der guten Straßenverhältnisse ist Julians Fahrrad nun ganzschön platt. Die Pantomime-Übung aus Activity zahlt sich zum Glück aus und ein Einheimischer pumpt uns den Reifen wieder auf. Sonst wird man von den Inselbewohnern aber meist wenig beachtet. Vielleicht liegt es am wenigen Englisch oder sie haben doch schon etwas mehr Touristen gesehen als noch vor 10 Jahren.

Nach entspannten Tagen auf der Insel packen wir unsere Sachen und setzen zum Festland über. Mit leichtem Gepäck geht es zum nächsten Abenteuer: dem zweitägigen Pakse-Loop, den wir mit dem Roller befahren wollen.


II. Pakse Loop

Mit dem Roller über das Bolaven Plateau


In Pakse, das rund drei Stunden nördlich liegt, startet unsere zweitägige Rollertour über das Bolaven Plateau. Der sogenannte Pakse Loop führt an zahlreichen Wasserfällen vorbei.

Wir starten früh morgens und fahren aus Versehen direkt am ersten vorbei. Mit sehr taubem Hintern kommen wir bei Mr. Viengs Kaffeefarm an und sind somit die ersten Besucher des Tages. Nach und nach kommen zwei weitere Deutsche – Lara und Jens, die ebenfalls auf Weltreise sind – und der Franzose Mohammed (Momo) dazu. Nach einem frisch aufgebrühten Kaffee aus eigener Produktion zeigt uns Mr. Vieng seine Farm und erklärt den Herstellungsprozess des Kaffees. Immer wieder unterbrochen durch laute Rülpser. Am Abend zuvor fand im Dorf eine große Feier statt und die ganze Familie ist noch etwas verkatert. Zur Erfrischung gönnt er sich Ameisen, die er zwischen einem Blatt verreibt. Wir probieren auch eine und es schmeckt tatsächlich schön zitronig. Nach unserer doch sehr amüsanten Tour verabschiedet sich Mr. Vieng für heute in die Hängematte und alle weiteren Touren sind für heute abgesagt. Glück gehabt 🙂

Mit Jens, Lara und Momo quartieren wir uns in die Fandee Bungalows ein und so sind im Nu auch schon alle Schlafplätze belegt. Die Straße vor dem Guesthouse führt zu großen Wasserfällen, die über mehrere Steinstufen hinabfließen. Als wir ankommen ist vergnügtes Kichern zu hören. Zwei junge Laotinnen sind gerade dabei auf einem der Plateaus zu baden und auch die Haarwäsche zu erledigen. Manchmal schaut nur noch ein Kopf aus den Fluten hervor.

Die Wassermassen haben tiefe Löcher in die Steinplateaus gegraben, die als natürliche Pools dienen. Auch wir trauen uns, die Beine in eines der dunklen Löcher zu hängen und zu ertasten, wann der Boden unter den Füßen zurückkommt. Bei manchen ohne Erfolg. Vielleicht ist dies ja eine „Abkürzung“ zum nächsttieferen Plateau. Wir probieren es lieber nicht aus und auch die Mädels belassen es beim Baden.

Eine Stunde später beobachten wir flussaufwärts, wie zwei riesige Vierbeiner durchs Wasser waten. Am späten Nachmittag ist bei den Elefanten, die zum Hotel am Fluss gehören, Badezeit angesagt. Beeindruckend wie einfach die Dickhäuter über die großen Steine am Flussufer waten und langsam in das Wasser eintauchen. Die Größendimensionen des Flusses und den Elefanten darin passen gut zusammen. Genau die richtige Umgebung für die riesigen Tiere.

Am Abend sitzen wir bei ein, zwei Bierchen in unserer deutsch-französischen Runde zusammen und kommen auf das Thema Stereotype über die andere Nation. Sehr erhellend, denn aus Momos Sicht essen Deutsche immer die Deko auf dem Teller auf. Beim Blick in die Gesichter von Julian und Jens fühlen sich zumindest einige aus der Gruppe angesprochen. Schnell zaubert der Inhaber den bereits abgeräumten Teller von Jens aus der Küche hervor, damit auch das letzte Salatblatt noch verspeist werden kann. Keine falsche Scheu ? Um niemanden zu enttäuschen vertilgen die beiden „genüsslich“ das Salatblatt und alle haben ihren Spaß.

Der nächste Tag führt uns neben imposanten Wasserfällen auch zur Happy Farm. Wir kommen genau zur richtigen Zeit an, denn gerade wird das Mittagessen mit Zutaten aus dem organischen Garten serviert. Einen ganzen Korb frisch geerntete Maracujas gibt’s dazu. Alles schmeckt richtig intensiv und das ohne Glutamat, das wir in der Vergangenheit häufiger für den leckeren Geschmack im Verdacht hatten.

Bei den Wasserfällen wird die Zeit etwas knapp, denn wir müssen noch vor Einbruch der Dunkelheit in Pakse zurück sein, um den Nachtbus nach Thakhek zu bekommen. Die letzten Kilometer auf dem Pakse Loop fahren wir schon im Licht der untergehenden Sonne. Wir kommen aber noch rechtzeitig zum Nachtbus. In Thakhek sollen wir um 1 Uhr nachts ankommen und wollen in eines der umliegenden Gästehäuser wechseln, um möglichst schnell weiterzuschlafen. Mal sehen, ob das um diese Uhrzeit und ohne Reservierung klappt. Doch erstmal heißt es Ohrstöpsel rein und Augen zu. Die Straßen sind schlechter als in Vietnam und so geht es schaukelnd voran. Irgendwann schlafen wir aber doch ein.

Und dann: „Thakhek!“

In weniger als 2 Minuten stehen wir auf der Straße – unsere Rucksäcke neben uns. Der Bus braust davon; die roten Rücklichter werden schnell kleiner. Wir stehen verdattert am Straßenrand und müssen erst noch zu uns kommen. Meine Augen werden vom Adrenalinschub offen gehalten. Wichtigste Mission: Bett finden!

Der erste Versuch führt uns zu einem etwas zu dunklen Hinterhof und so drehen wir kurzerhand um und entdecken das Guesthouse LyLy. Zum Glück sitzt die Inhaberin leicht dösend vorm Eingang, sodass wir 5 Minuten später in einem Bett liegen. Das Adrenalin strömt aber noch durch die Adern, sodass selbst für mich nicht an Einschlafen zu denken ist. Ich spüre die harten Federn im Rücken und lausche den vorbeifahrenden LKWs. Irgendwann schaffe ich es aber natürlich doch einzuschlafen.

Besser so, denn am nächsten Tag wartet eine tagesfüllende Anreise zur Kong Lor Höhle auf uns. Kein fester Fahrplan und wir stellen uns auf lokale Busse, Songthaews und einige Umstiege ein. Mal sehen, ob sich diese Anreise wirklich lohnt!

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