Mount Cook & Banks Peninsula
Twinkle, twinkle, little star,
how I wonder what you are!
Bericht No. 13
Quick Facts
- Land: Neuseeland (Mitte & Osten der Südinsel)
- Reisezeitraum: 23.02.2020 – 02.03.2020
- Route:
I. Mount Cook
Sterne so weit das Auge reicht
Schon am Lake Hawea schwärmte uns eine Portugiesin vom Mt. Cook und dem tollen Sternenhimmel dort vor. Der Berg ist mit 3724 Metern der höchste Neuseelands und liegt mitten in einem 4300 km² großen Sternenreservat, das sich durch besonders geringe Lichtverschmutzung auszeichnet. In unmittelbarer Nähe liegt der helltürkisfarbene Lake Pukaki, dessen Bilder mich schon vorab restlos begeisterten. Genügend Gründe, sich schnellstmöglich auf den Weg dorthin zu begeben.
Nach 370 km erreichen wir das Tagesziel Lake Pukaki. Doch von Aussicht kann keine Rede sein. Wir sehen zwar die tolle, vom Gletscherwasser milchig blaue Farbe des Sees aber die dahinter liegende Bergwelt ist in dicken Wolken verhüllt. Spontan entscheidet Julian noch 60 km weiter zum DOC Campingplatz am Mt. Cook zu fahren. Auch auf dem weiteren Weg ist keine Besserung in Sicht. Der Regen wird kräftiger, die Wolken dichter und uns kommen zahlreiche Wohnmobile entgegen. Hhm, ob sie vorm Wetter flüchten oder keinen Platz mehr auf dem Campingplatz gefunden haben?
Gespannt fahren wir weiter und versuchen unser Glück. Und tatsächlich finden wir mit unserem schmalen Gefährt noch eine Lücke auf dem nebligen Campingplatz, der sich später als Parkplatz unseres Nachbarn herausstellt. Ups. Im strömenden Regen erledigen wir die Anmeldeformalitäten und flüchten uns in unseren Camper. Wider Erwarten klart es schon am Abend auf und wir stellen erstaunt fest, dass um uns herum hohe Berge aufragen. Ein schöner Vorgeschmack auf die morgige Wanderung zum Mt. Cook.
Leider trennt uns davon eine äußerst eisige Nacht. Trotz zusätzlicher Isolierung der hinteren Camperwand mit den übrigen Polstern, dicker Decken und Zwiebelprinzip mit Daunenjacke hätte ich die Nacht alleine wohl nur schwerlich überstanden. Kein Wunder – war die Temperatur doch auf fröstelige 3 Grad gesunken. So fällt auch das Aufstehen am Morgen alles andere als leicht.
White Horse Hill Campsite – Kuschliger Campingplatz direkt am Gletscher. Mit Blick auf den Mt. Sefton und Mt. Cook um die Ecke.
Doch langes Liegenbleiben ist nicht drin, da wir den ab 8 Uhr antreffenden Touristenbussen zuvorkommen möchten. Wir raffen uns auf und mit jedem Schritt auf dem Hooker Valley Track kehrt mehr Wärme in den Körper zurück.
Das Tal liegt noch im Dämmerlicht und außer ein paar hartgesottenen Touristen, die bereits auf dem Rückweg sind, herrscht noch friedliche Ruhe. Die aufgehende Sonne erhellt zunehmend das Tal und wärmt uns weiter auf.
Dann endlich ist der Mt. Cook in Sicht. Er spiegelt sich leicht im trüben Wasser des Hooker Valley Lake, in dem sogar ein paar Eisbrocken des dahinterliegenden Gletschers schwimmen. Kurz traue ich meine Augen nicht: ein Mann krempelt die Hosenbeine hoch und stapft in das eisige Seewasser, um einen oberflächlich kleinen, nah am Ufer schwimmenden Eisbrocken zu berühren oder zu bewegen. Keine Ahnung was genau der Plan war, für mich auf jeden Fall viel zu kalt – noch ist die Daunenjacke an.
Nach einer entspannten Mittagspause am Camper entgehen wir nur knapp dem Mittagstief und starten die nächsten Wanderung. Auf dem Sealy Tarns Track geht es endlich wieder bergauf – er hält rund 2200 Stufen und 600 Höhenmeter für uns bereit. Doch wir werden mit grandiosen Ausblicken belohnt: die dicke Eisdecke auf dem Mt. Sefton, natürlich der Mt. Cook und der Blick in die weite, vom Gletscher geformte Ebene, die sich bis zum Lake Pukaki zieht.
Nachdem es die letzten Tage hier wohl nur geregnet hat, haben wir wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Von früh bis spät nur Sonnenschein und auch die Nacht soll nicht mehr ganz so kalt werden. Keine Wolke am Himmel und da zudem noch Neumond ist, haben wir beste Chancen, einen tollen Sternenhimmel zu sehen.
Und tatsächlich, als es am Abend dunkler es wird, kommen immer mehr Sterne zum Vorschein. Die Augen gewöhnen sich zunehmend an das wenige Licht und so ist irgendwann bei genauerem Hinschauen auch noch der letzte Platz zwischen den helleren Sternen mit winzigen Lichtpunkten bedeckt.
Mit einem Mal zeigt Julian in den Himmel und wir schauen beide wie gebannt nach oben. Was um Himmels Willen ist das bloß? Helle Lichtpunkte in genau gleichen Abständen erscheinen hinter dem Mt. Sefton und bewegen sich in schnellem, gleichmäßigem Tempo auf gerader Bahn. Schätzungsweise 15 Lichter bewegen sich hintereinander, kerzengerade aufgereiht wie an einer Perlenschnur, bis die vordersten wieder aus dem Sichtfeld verschwinden.
Zum Glück haben wir das gerade beide gesehen, sonst würde ich mir selbst gleich nicht mehr glauben. Ein Pärchen läuft in unsere Richtung und auch sie haben die gleiche Sichtung gemacht. Leider haben wir alle vier keinen blassen Schimmer, was es sein könnte. Immerhin konnte Julian ein Foto davon machen.
Auch beim DOC Informationsbüro am nächsten Morgen weiß man nicht, was es sein könnte. Wir überlegen, ob es vielleicht militärische Tests sein könnten, doch im Sternenreservat sind diese eigentlich ausgeschlossen. Schlauer werden wir fürs Erste leider nicht.
Wir fahren entlang der Küste des Lake Pukaki zurück und können den See nun auch mit schöner Bergkulisse im Hintergrund sehen. Mal wieder ist ein zuvor nur auf dem Papier bekannter Ort zur eigenen Erinnerung geworden. Ein tolles Gefühl!
Da wir heute bis zur Küste der Banks Peninsula fahren wollen, liegen rund 400 km und mindestens 5 Stunden Fahrt vor uns. Bislang (übrigens auch während unseres Australienurlaubs) ist immer Julian gefahren. Doch nun ist der Moment des Fahrerwechsels gekommen. Oh je!
Zum ersten Mal links fahren, rechts sitzen, links schalten und rechts den Blinker benutzen. Es ist Gegenteiltag und das Ganze mit einem 15 Jahre alten Campervan mit ausgeleierter Kupplung und leicht ausgeschlagener Lenkung. Fahren an sich klappt natürlich aber beim Abbiegen hilft nur ein klarer Prozess: zuerst Blinken, dann Bremsen und Kuppeln, dann in alle möglichen Richtungen schauen, sich gebetsmühlenartig die linke Spur vorstellen und schließlich dorthin abbiegen. Ansonsten kommt es zu Kuriositäten wie dem Abbiegen ohne Blinker dafür aber mit quietschendem Scheibenwischer. Während ersteres als „einheimischer Fahrstil“ durchgehen könnte, schreit letzteres Tourist und ist daher unbedingt zu vermeiden.
Bevor wir zur kurvigen und hügeligen Banks Peninsula kommen, gebe ich den Zündschlüssel zum Glück wieder an Julian ab. Mit unseren bereits etablierten Rollen fühlen wir uns doch wohler.
II. Banks Peninsula
Zum Schluss kehrt nochmal Ruhe ein
Kurvige Straßen mit schönen Ausblicken auf kleine Buchten und weite Graslandschaften führen uns über die Hügel der Banks Peninsula südlich von Christchurch. So sind wir fast wieder am Ausgangspunkt angelangt. Zur abgeschiedenen Okains Bay geht es auf enger Straße mal wieder steil bergab. Dort liegt an einem sicheren Badestrand ein wenig besuchter Campingplatz. Die Hauptsaison ist Ende Februar vorbei und so haben wir genau den richtigen Ort gefunden, um ein paar entspannte letzte Tage zu verbringen.
Es gibt freie Platzwahl und durch die wenigen Besucher haben wir die Qual der Wahl. Fast fahren wir uns auf einem Platz mit direktem Strandzugang und Meerblick noch im Sand fest. Der ist wohl nur was für Autos mit Allradantrieb. Der Alternativplatz liegt ein paar Meter weiter auf recht festem Grund unter hohen Bäumen. Auch nicht schlecht.
Am wolkenlosen Himmel schauen wir abends noch ein bisschen den Sternen zu. Während Julian die verschiedensten Kameraeinstellungen ausprobiert, erscheint das gleiche Phänomen wie am Mount Cook: Kerzengerade, am Himmel entlangziehende Lichter. Das kann nun wirklich kein Zufall mehr sein!
Julian recherchiert noch einmal genauer und findet des Rätsels Lösung: 60 neue Satelliten wurden Mitte Februar von Elon Musk’s Firma SpaceX für eine bessere Internetabedckung von Florida aus in die Erdumlaufbahn katapultiert.
Wow – Sternenreservat hin oder her. Die Schönheit des endlos weiten Universums prallt auf das Jahr 2020!
Irgendwie desillusionierend, wie sich auf einen Schlag die perfekt gleichen Abstände zwischen den Lichtern und ihre akkurate Laufbahn erklären lassen. Und auch traurig, dass selbst das Sternenbild nicht mehr vor dem Menschen sicher ist. Im April sollen weitere 60 Satelliten gestartet werden, die auch von Deutschland aus sichtbar sein sollen. Das schöne Kinderlied muss wohl umgedichtet werden:
Twinkle, twinkle, satellite! Never sleeping, day or night!
Wir genießen die letzten Tage in der Okains Bay trotzdem in vollen Zügen. Es bleibt Zeit zum gedanklichen Abschließen der Reise, Blogeinträge schreiben, Podcast hören, Sport machen, spazieren gehen, flying fox fahren… Langweilig wird uns nicht und diese letzten Tage fühlen sich ganz wunderbar an. Etwas fernab von der restlichen Welt in unserer kleinen Camper-Blase.
Ein Highlight ist die Neueröffnung meines Outdoor-Friseursalons „Haar-a-kiri“! Ich sage nur Well-Kamm und Haireinspaziert und fühle mich kurzzeitig wie Edward mit den Scherenhänden. Julian fürchtet um Kopf und Kragen. Doch weder möchte ich meinen einzigen Kunden verlieren noch hat Julian eine andere Wahl. Also Augen zu und durch und dann ist das Meisterwerk vollbracht: Hairgott – welch ein Vorhair-Nachhair-Effekt!
In unserer Zwei-Personen-Blase sinkt das Niveau wie man unschwer erkennen kann schon seit geraumer Zeit rapide ab und die Witze werden immer peinlicher. Man kann nur hoffen, dass uns hier wirklich keiner versteht. Der Stimmung tut all dies natürlich überhaupt keinen Abbruch. Expressives Augenverdrehen steht an der Tagesordnung und wir fragen uns, ob wir jemals wieder resozialisiert werden können. Wir sollten dringend mal wieder unter Leute.
Auf dem Rückweg nach Christchurch halten wir in Akaroa. Der kleine Ort wurde von französischen Siedlern gegründet und rühmt sich noch immer für sein französisches Flair, das zumindest teilweise in Straßennamen, Bäckereien und teuren Feinkostläden zu erkennen ist.
Das Highlight ist aber der auf sein Frauchen wartende Hund. Sehnsüchtig blickt er ihr nach in der Hoffnung, bald wieder seine Ohren im Fahrtwind flattern zu lassen. Die neuseeländischen Hunde dürfen ihre große Leidenschaft fürs Autofahren vollends ausleben: Schnauze oder alternativ auch der ganze Kopf werden während der Fahrt aus dem Auto in den Fahrtwind gehalten. Sehr süß.
II. Christchurch
Bye, Bye Südinsel! Da, wo es begonnen hat.
Wir entscheiden uns, die letzte Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen, auf dem wir auch unsere erste Campernacht verbracht haben. Zurück an den Strand mit der tollen Stimmung am Abend und den netten Strandhäusern direkt hinter der Düne. Wir machen lange Strandspaziergänge und ich lese einen dicken Roman über Frida Kahlo in einem Tag.
Der Camper wird gründlich geputzt und wir suchen die letzten Ecken vergeblich nach verschwundenen Teilen wie Kopfhörern und dem Turnschuh ab. Der Tag des Abschieds ist gekommen.